Sie spielen für Mainz 05 in der Fußballbundesliga und trainieren auf dem Sportgelände in Essenheim. Nicht die Profis der Meenzer – es ist die Mannschaft der Beinamputierten. Spitzensportler, die es an Spielwitz, Tempo, Ballsicherheit und Kondition fast mit den Profis der 05er aufnehmen können. Als der Verein bei Bürgermeister Winfried Schnurbus anklopfte, war schnell klar: Essenheim hilft. Alle zwei Wochen, bald wohl auch dreimal im Monat, können die Jungs auf dem Platz Im Klotzklauer trainieren, immer freitags von 19.30 Uhr bis 21.15 Uhr. Die erste Trainingseinheit vor einer Woche hatte es in sich: auf Krücken jagten die jungen Männer über den Platz, mit unglaublichem Tempo. Knallharte Schüsse, präzise aufs Tor, Pässe genau in den Fuß gespielt – für die behinderten Kicker kein Problem. Amputierten-Fußball hat seine eigenen Regeln: auf dem Feld mitspielen darf nur, wer ein Bein amputiert hat – und zwar ohne Prothese, nur auf Krücken. Der Torwart darf zwar zwei Beine, aber nur einen Arm haben. 2 mal 20 Minuten dauert ein Spiel – wer jemals an Krücken ging, weiß, was das heißt. Es sind keine Freizeitkicker – sie spielen in der Fußballbundesliga für Amputierte, in der DAFL, gegen Mannschaften z.B. aus Hamburg, Düsseldorf oder Berlin um die Deutsche Meisterschaft. Die 3. Saison hat schon begonnen – jetzt auch mit unseren Meenzern. Das Training leitet ein Fußballlehrer mit Trainerlizenz fürs Profigeschäft – professionell wie bei den Profis. Das ist kein Gekicke, da werden raffinierte Spielzüge eingeübt, intelligenter Hochgeschwindigkeitsfußball gezeigt. Fußballabteilungsleiter Udo Graf und Bürgermeister Winfried Schnurbus kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus beim 1. Training. 18, 20 junge Männer aus Mainz und Umgebung beeindruckten mit unglaublicher Leidenschaft, Motivation und Können. „Wir wollen Sport ohne Ausgrenzung, Spitzensport, um Inklusion und Integration zu fördern. Essenheim will Menschen mit Behinderung Mut machen, ihnen die Tür zur Gesellschaft auch auf diese Weise öffnen,“ waren sich beide einig. „Es ist beispielhaft, mit welcher Leidenschaft die gehandicapten Spieler ihren Sport betreiben.“ Wer Zeit, wer Lust hat – ein Besuch beim Training lohnt sich wirklich. Die Jungs haben nichts dagegen. Im Gegenteil: nach dem Training wird im Vereinsheim gemeinsam gegessen und geplaudert. Gelebte Inklusion in Essenheim.
Winfried Schnurbus
Ortsbürgermeister

Foto Udo Graf